Damit hatte Anke schon gleich mehrere Fragen die ich ihr stellen wollte beantwortet.

Weiter geht’s. Warum hat es so lange gedauert, bis dein erstes Buch fertig war?

Anke Unger: Am Anfang war ich einfach unerfahren und habe mich ständig in der Geschichte festgefahren. Der erste Band hat sich vollkommen quergestellt und egal wie ich es angefangen habe, wollte er sich nicht schreibenlassen. Da es anfangs nur mein Hobby war, dachte ich, ich kümmere mich später darum und schreibe erst mal weiter. Also habe ich geschrieben und geschrieben und habe mit der Zeit Erfahrung gewonnen, wodurch eigentlich jeder Folgeband besser geworden ist als der vorherige, was einen wahnsinnigen Spaß gemacht hat. Natürlich hat auch das gedauert, ich hatte auch nie viel Zeit zu schreiben, meist konnte ich mir nur abends mal eine halbe Stunde abknapsen, wenn überhaupt. Manchmal stand ich auch monatelang auf der Stelle. Dann kam der Moment an dem ich die Serie abgeschlossen hatte. Da stand ich da mit einer fertigen Serie, deren 1. Band total vermurkst war. Ich wäre sonst ja schon längst mal an einen Verlag herangetreten. Aber das geht schlecht, wenn man keinen Anfang zu einer Serie hat. Ich war also gezwungen, den 1. Band neu zu schreiben und ihn in Form zu bringen. Daran habe ich 3 Jahre gesessen und es war wirklich schwierig. Ich war selbst überrascht und stolz, dass es mir dann tatsächlich gelungen ist. Und noch viel überraschter war ich, dass der Carlsen Verlag es haben wollte! 

Und auch hier war ich überrascht wie ehrlich und detailliert mir Anke antwortete.

Das wäre dann meine nächste Frage: Wie läuft das mit dem Veröffentlichen. Hast du es an mehrere Verlage geschickt und wie geht es dann weiter?

Anke Unger: Ich hätte mich selbst gar nicht getraut, einen der großen Verlage anzuschreiben. Zu dem Zeitpunkt habe ich freiberuflich als Lektorin für die Leselupe.de gearbeitet und der Leiter dieser Seite, Tim Rohrer, fragte mich, ob ich nicht selber schreibe und ihm mein Manuskript mal zeigen will. Er ist dann damit letztes Jahr auf die Frankfurter Buchmesse gegangen und hat es verschiedenen Verlagen gezeigt. Bastei/Lübbe hat sich einige Zeit überlegt, ob sie es nehmen und Carlsen hat mir dann eine Zusage gegeben Ich war total platt.

Ja, das ist eine tolle Sache. Wie lief das mit dem Cover. Ist ja wirklich schön geworden. Hast du da deine Ideen vorgegeben oder war das eine freie Sache des Designers?

Anke Unger: Ich fand, das war eine sehr gute Zusammenarbeit. Der Verlag hatte die Idee, auf jedes Cover einen anderen Charakter zu platzieren, der in dem jeweiligen Buch eine große Rolle spielt. Auch das Design war die Idee des Verlages. Aber ich konnte sagen, wie ich mir die Charaktere vorstelle und wen ich gerne auf dem Cover hätte. Ich habe auch mal ein Cover abgelehnt, auf dem mir der dargestellte Typ nicht zu dem Charakter passte: Die jetzigen Cover finde ich super und sie verkörpern auch tatsächlich die Figuren sehr gut.

Ja, die sind wirklich wunderschön.

Anke Unger: Mir gefällt das Cover 3 am besten, auf dem die Schülerin Pirina abgebildet ist. Sie hat so einen süßen und unschuldigen Gesichtsausdruck und genauso ist Pirina auch.

Bei der Frage ob es in der Serie noch weiter geht oder ob sie noch weiter Bücher geplant hat, war Anke etwas zögerlich, ich glaube sie wollte uns noch nicht alles verraten, dann hat sie aber zugegeben, dass sie noch andere Manuskripte zuhause hätte. Auf der Frankfurter Buchmesse will sie sich mit ihrer Betreuerin treffen und sie hat die klitzekleine Hoffnung, dass es zu einer Veröffentlichung dieser Manuskripte kommt.

Nun wieder zu meinen Fragen: Wie kommst du auf die Figuren in deinen Büchern, haben sie Eigenschaften von Leuten aus deinem Umfeld oder erfindest du sie ganz neu?

Anke Unger: Areshva ist eine Wunschprojektion von mir. Sie ist so, wie ich nicht sein kann und nicht sein darf, aber in meinen wilden geheimen Träumen(manchmal) gerne wäre. Silvrin ist der passende Gegenpol zu ihr. Eine temperamentvoll dunkle Heldin, die Grenzen stürmen will braucht meiner Meinung nach einen ruhigen, verlässlichen und grundanständigen Partner. Nein, ich glaube nicht, dass ich meine Charaktere aus dem Leben gegriffen hab. Es sind Phantasiefiguren und mit jeder einzelnen habe ich etwas anderes ausprobiert. das war auch genau das, was mir so viel Spaß an der Geschichte gemacht hat.

Eine sehr gute und ausführliche Erklärung. Wie hat denn deine Familie und dein Umfeld darauf reagiert, dass du Bücher schreibst und sie jetzt veröffentlicht werden.

Anke Unger: Meine Tochter hat mal einen Ausdruck meines Manuskriptes zerrissen(als Baby). Anfangs fand ich meine Schreiberei so peinlich, dass ich nur heimlich getextet habe. Ehrlich gesagt ,waren meine Texte am Anfang auch echt peinlich. Aber nach und nach bin ich so besessen davon geworden, dass ich mich sozusagen „outen“ musste. Mein Mann ist kein Fantasy-Leser und mochte nicht mal Harry Potter, aber er hat gemerkt, wie wichtig es mir war und lässt mich machen. Jahrelang hat er allerdings kein Interesse bekundet, etwas von mir lesen zu wollen. Das war mir sogar recht, denn ich finde das Gefühl unerträglich, dass jemand neben dir steht, deinen Text liest und du dann darauf wartest, welches Urteil er abgibt. Die reine Marter. Es ist einfacher nicht zu wissen, ob jemand deinen Text liest und wie er ihn findet. Seitdem ich einen Verlag gefunden habe, findet mein Mann das sogar richtig gut, glaube ich, weil mein verrücktes Hobby plötzlich so eine Art Beruf ge3worden ist. Meine Tochter hat mal gesagt, ich komme ihr vor wie eine Figur aus einer ihrer Serien, die sie anguckt. Da kramen auch immer die Mütter irgendein verschrobenes Hobbyhervor und „verwirklichen sich selbst“. Tja und so eine Mutti bin ich jetzt anscheinend auch. Also meine Familie lacht ein bisschen über mich, aber findet es auch ganz cool.

Auch hier bin ich wieder begeistert, wie ehrlich Anke antwortet. Und dann muss ich doch noch etwas genauer nachbohren, was ihre Zukunftspläne angeht.

Du hast ja gesagt, du hast noch einiges fertig. Planst du denn auch wieder etwas Neues? Und wenn, würden dich auch andere Genre reizen oder bleibst du Fantasy treu?

Anke Unger: Ich würde sehr gerne mal eine Märchenadaption schreiben. Zu dem Thema sammle ich auch schon Ideen.

Auch interessant. Ich danke dir ganz herzlich dafür, dass du mir deine Zeit geopfert hast und die so viel Mühe mit der Beantwortung meiner Fragen gegeben hast. Ich wünsche dir ganz viel Erfolg in der Zukunft. Und sicherlich werden ganz viele Leser deine Bücher lieben.